3. Tag, Studentensicht (Stefanie Jördens)

Altafulla Blog von Stefanie Jördens

Freitag: Was für eine Gaudi!

 

Ich stehe auf der wunderschönen Klippe am Meer und lege meinen Blick auf die Burg Tamarit, ein leichter Wind weht und die Sonne scheint wieder herrlich auf meine mit Sonnencreme geschützte Haut. Unten am Ufer bauen ein paar zukünftige Architekten fantasievolle Sandburgen und die Eltern liegen im Sand. Ich lausche dem Rauschen der Wellen…das Rauschen wird immer stärker, irgendwer klappert mit dem Frühstücksbesteck und plötzlich sagt jemand ziemlich nah an meinem Ohr: „PPPPPOKERFACE!!“.

Das war der nervige Klingelton meines Handyweckers, der mich aus meinen Traum holt und ich wache auf. Ich liege wieder in meinem kleinen Zimmer, genauer im Apartment Nr. 3 des Els´Arc. Es ist 6.30Uhr und meine Mitbewohner sind schon auf den Beinen, während ich noch auf meiner durchgelegenen Matratze liege. Es wird Zeit! Um 7.00Uhr treffen wir uns unten am Strand und es geht los nach Barcelona! Ich schwinge mich, mit eher bescheidener Eleganz aus dem Bett und hüpfe unter die Dusche.

Während ich so dastehe und mir mit dem nach Schwimmbad riechenden Wasser die Zähne putze, denke ich darüber was heute auf uns zukommt: Barcelona! Oder wie wir Geografiestudenten sagen: 42°24´N und 2°10´O. Ich bin gespannt was uns erwarten wird! Meine Freunde haben mir schon vor Antritt der Exkursion erzählt das Barcelona die schönste Stadt am Mittelmeer sein soll. Einige gerieten richtig ins Schwärmen als sie mir von ihrem Trip nach Barcelona erzählten. Besonders mein Freund Marc: Er war schon sechsmal dort und war begeistert von der Behindertenfreundlichkeit der Stadt: „Alle Bordsteine sind abgesenkt und auch in die Restaurants komme ich mühelos rein!“ sagte er und erklärte weiter, dass er sich als Rollstuhlfahrer dort sehr wohl gefühlt hat. Auf mein Nachfragen, wieso gerade dort so darauf geachtet wird, meinte Marc: „Das liegt an den Paralympics von 1992!“. Immer nach Olympischen Spielen finden am Austragungsort auch die Spiele für Menschen mit Behinderungen statt: die Paralympics. Viele Sportler aus allen Nationen waren damals in Barcelona und aufgrund dessen wurde viel Investiert damit die Sportler sich ungehindert bewegen können. Menschen wie mein Freund Marc profitieren heute noch davon. Eine gute Sache.

Nach dem Frühstück (typisch Spanisch: Nutellabrot…mh!) flitzen wir los zum Strand, schließlich können wir als angehende Lehrer nicht zu spät kommen. Dort warten wir noch kurz und dann geht es auch schon los. Der Zug wartet nicht!

Für die Strecke die wir mit dem Zug zurück legen brauchen wir etwa 1,5 Stunden. Von unserem Reiseleiter Herr Prignitz erfahren wir, dass Altafulla ca. 80 Kilometer südlich von Barcelona liegt. Die Bahn fährt fast die ganze Zeit an der Küste entlang und man kann einen schönen Blick auf das Meer genießen. An der anderen Fensterscheibe kann man sich dann aber auch sehr viel nichts anschauen. Dort sieht man nur vereinzelt Häuser und ein paar Felder, aber ansonsten ist dort viel unberührte Fläche. Je näher wir Barcelona kommen, desto mehr Häuser türmen sich rechts und links neben den Gleisen auf. Die Häuser werden größer, man sieht immer mehr komplexe Wohnhäuser mit mehr als zwei Etagen und auch die Dichte an Autos hat rasant zugenommen. Unsere Bahnfahrt endet im Bahnhof unter der Stadt. Dies ist eine Lösung die ich schon in anderen großen Städten gesehen habe: Damit die lauten Züge nicht das Stadtbild verschandeln werden sie unterirdisch verlegt und werden so quasi unsichtbar.

Als wir dann endlich wieder an die Oberfläche kommen, habe ich das Gefühl ich bin in einer anderen Welt. Wir stehen auf einer Kreuzung und auf einer Seite sehe ich die erste Attraktion Barcelonas: Ein Gaudi –Haus! Nein, kein Haus indem eine Menge gefeiert wird, sondern ein Gebäude welches von Antonio Gaudi entwurfen wurde! Wow, es sieht wirklich sehr interessant aus! Doch bevor es weiter geht sammeln wir uns alle und Herr Prignitz erklärt den Ablauf.

Als erstes geht es los mit einer Tour zu Fuß durch die Stadt, zur Orientierung und um die wichtigsten Sehenswürdigkeiten nicht zu verpassen. Der nächste Punkt ist eine Busfahrt zum Olympia-Stadion und dann bekommen wir Freizeit um Barcelona alleine zu Erkunden. Doch bevor es losgeht, brauchen einige eine Toilettenpause bei Starbucks. Schon erstaunlich wie weit man es mit Kaffee bringen kann, der stolze fünf Euro kostet…

Erste Station unserer Sightseeing Tour: Das Gaudi Haus.

Wir erfahren das Antonio Gaudi von 1852 – 1926 gelebt hat und die meiste Zeit seines Lebens in Barcelona. Aufgrund dessen das wir vor einem Gaudi Haus stehen, kann man clever schließen, dass er von Beruf Architekt war. Auf dem Bild, was ich von der Casa Batlló geschossen habe, kann man sehr gut seinen einzigartigen Stil erkennen. Sein Stil wirkt sehr Rund und organisch. Also wie etwas was es in der Natur geben könnte, es fehlen harte Kanten und es gibt nur wenige gerade Flächen. Gaudi hat das Stadtbild Barcelonas sehr stark geprägt. Unsere Tour führt uns auch noch an einem anderen Haus von Gaudi vorbei der Casa Millá. Besonders schön finde ich, dass die Gebäude auch heute noch richtig genutzt werden und nicht gänzlich zu einem Museum erstarren. So haben viele Häuser das Leben in sich welches Gaudi in seiner Architektur geplant hat.

Während wir durch die Straßen ziehen halte ich Ausschau nach den Abgesenkten Bordsteinen und den Rampen für Rollstuhlfahrer von denen Marc gesprochen hat. Und er hat recht: Fast alle Bordsteige sind so angelegt das man sie mit einem Rollstuhl oder Kinderwagen problemlos überwinden kann. Sehr praktisch ist auch die Anordnung der Straßen in Barcelona. Ähnlich einem Schachbrettmuster durchziehen die Straßen die Stadt, dadurch entstehen Häuserblocks die in ihrem Innern Raum geben für Gärten. Nicht nur das diese gerade Anordnung wahrscheinlich jeden Zwangsneurotiker glücklich machen würde, es ist auch sehr hilfreich zur Orientierung.

Einigen Straßen weiter nähern wir uns nun merklich der Hauptattraktion Barcelonas: der Sagrada Familia. Die Sagrada Familia ist eine römisch-katholische Basilika, welche bis heute noch nicht fertig gestellt ist. Hier wimmelt es nur so von Touristen, die staunend vor der Kirche stehen. Ich bin nun einer von ihnen. Obwohl noch nicht vollendet, kann man bereits erahnen wie imposant die Kirche einmal werden wird. Fertig gestellt wird sie wahrscheinlich erst im Jahre 2030, das heißt wenn bis dahin die Gelder für den Bau noch weiter fließen.

Um die Sagrada Familia herum stehen einfache Häuser, hier und da kann man ihre Bewohner sehen wie sie ihre Fenster putzen oder mit den Einkaufstüten in den Hauseingängen verschwinden. Welch eine Vorstellung? Man guckt aus seinem Wohnzimmer und schaut auf eines der berühmtesten Gebäude der Welt. Mein Neid verblasst allerdings als ich mir die astronomisch hohen Mieten für diese Wohnoase vorstelle…

Herr Prignitz erzählt uns die Geschichte vom Tot Gaudis: „Es geschah nicht weit von hier, in einer Parallelstraße der Sagrada Familia. Dort wurde er von der Straßenbahn mitgenommen und in ein Krankenhaus für Arme gebracht, da man nicht erkannte was für eine Berühmtheit dort auf der Straße lag. Gaudi legte nicht viel Wert auf Reichtum, er zog sich nicht schick an und machte optisch oft den Anschein eines Bettlers. Als er im Krankenhaus zu sich kam und man den Irrtum bemerkte, bestand er darauf dort zu bleiben, denn dort gehöre er hin. Er ist einer von ihnen. Und dort starb Antonio Gaudi.“ Eine wirklich faszinierende Persönlichkeit muss Antonio Gaudi gewesen sein und es ist sehr schade, dass er sein Meisterwerk , die Sagrada Familia nie vollendet sehen konnte.

Der nächste Punkt steht an: Busfahrt zum Olympiastadion.

Am Olympiastadion angekommen befinden wir uns auf einem kleinen Berg. Es ist mittlerweile 12 Uhr mittags und der angenehmste Ort in Barcelona in dieser Mittagshitze ist bestimmt nicht der Olympiaberg. Was würde ich nun geben für einen Sprung in den Swimmingpool oder auch irgendeine andere Form der Erfrischung? Für ´s erste muss eine Kopfbedeckung reichen und ich wickel mir ein Tuch um den glühenden Kopf, während wir auf dem Gelände herum schlendern. Der erste frische Wind weht mir erst wieder im Stadion entgegen, wo wir uns alle einen Moment ausruhen und in den Schatten setzten. Es ist Zeit den Sonnenschutz aufzufrischen und überall wird fleißig nachgecremt.

Das Stadion ist in erster Linie das was es auch sein soll: Ein Stadion. Ein leeres Stadion. Da ich nur mäßig Fußballbegeistert bin, hält sich meine Begeisterung in Grenzen. Viel interessanter ist was ich auf den Weg zurück in die Stadt entdecke: Das Schwimmbad! Nicht nur das man von dort einen unglaublichen Blick auf Barcelona hat: Wie muss man sich fühlen dort vom Sprungturm zu springen mit einer solchen Stadt zu Füßen? Gerne würde ich es ausprobieren…

Obwohl wir uns auf den Weg zurück zur Stadt permanent bergab bewegen, ist die Lauffreude noch nicht wirklich wieder aufgekommen. Die vielen Eindrücke machen einen auch ein wenig Müde und die Hitze tut ihr übriges. Am letzten Punkt unserer Tour bleiben wir noch einmal an einer Mauer stehen von der aus wir Barcelona sehr gut sehen können. Wir sehen die Sagrada Familia wie sie alle Gebäude überthront und ein eigenartiges Gebäude, welches aussieht wie…wie…Herr Prignitz: „Die Einheimischen nennen es, ja wie das Geschlechtsteil des Mannes…ach was soll´s, sie sagen ++++++ (zensiert ;))“. Diese kleine Anekdote sorgt für allgemeines Gelächter.

Nachdem der Treffpunkt für später ausgemacht wurde, starten wir in Gruppen in die letzte Phase der Exkursion: der Freizeit! Welcher Gruppe soll ich mich anschließen? Will ich mir ein weiteres großes Stadion anschauen…oder vielleicht in das große Aquarium? Oder schaue ich mir einfach noch eine Weile die Stadt an? Ich entscheide mich für letzteres und bummel mit den anderen Mädels aus meiner Gruppe durch die Straßen Barcelonas.

In Barcelona kann man wirklich eine schöne Zeit verbringen und ich habe das Gefühl es gibt hinter jeder Ecke etwas neues Spannendes zu entdecken. Um sechs Uhr abends treffen wir uns alle wieder und machen uns auf den Heimweg, also Richtung Bahnhof.

Von der Bahnfahrt zurück kann ich leider nicht viel berichten, da ich vor lauter Müdigkeit immer wieder die Augen zu gemacht habe und weg genickt bin. Doch allgemein bin ich mit einem guten Gefühl wieder nach Altafulla gefahren. Meine Erwartungen hatten sich voll erfüllt! Barcelona ist eine sehr schöne Stadt und vor allem eine sehr lebendige. Es gibt viele Ecken die ich mir gerne genauer Anschauen möchte und ich hoffe, dass ich irgendwann dorthin zurück kommen kann. Meinem Freund Marc werde ich erzählen, dass ich verstehe warum er immer wieder nach Barcelona zurück kommt. Barcelona ist einfach eine riesen Gaudi

 

 
 

Interview zum Projekt

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Interview mit Lars Prignitz vom Medienpädagogen Johannes Klas zum Altafulla-Projekt 2010...

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