Merkmale des Projektunterrichts
Geschrieben von Irena Berzbach, Julia Friesen und Anna Jung,
Kommentierung und Ergänzungen zum Altafulla-Projekt von Lars Prignitz
A Merkmale von Projektunterricht und ihre Umsetzung im Altafullaprojekt
1) Handlungsorientierung
Handlungsorientierung definiert sich über eine hohe Schüleraktivität.
Die Schülerinnen und Schüler lernen durch das Verinnerlichen von Handlungen. Dieser Aspekt ist ein entscheidender Faktor beim Altafulla-Projekt. Die Schülerinnen und Schüler erhielten die Chance eigene Erfahrungen zu sammeln, durch das Aufnehmen von Filmen, das Führen von Interviews, aber auch durch das gemeinsame Reflektieren am Abend. Da die Schülerinnen und Schüler alle
Situationen eigenständig durchlebten wird das Gelernte wohl stärker verankert werden, als jeder Lernstoff in der Schule.
2) Selbstorganisation und Selbstverantwortung der Schüler
Beim Projekt "Altafulla" wurde den Schülerinnen und Schülern ein hohes Maß an Eigenverantwortung und Organisation zugesprochen. Eigenständig erarbeiteten sie Ideen und Vorschläge, was auf der Homepage erscheinen soll, um sie lebendig zu gestalten und Touristen anzusprechen. Die Schülerinnen und Schüler erarbeiteten also nicht nur Ideen, sondern überprüften diese auch kritisch.
Material, was die Schülerinnen und Schüler, für die Umsetzung ihres Videofilms benötigten, organisierten sie selbstständig. Sie arbeiteten Routen zu den jeweiligen Settings heraus und gingen bzw. fuhren in Begleitung der Studenten zu den jeweiligen Drehorten. An den Drehorten setzen die Schüler ihre Idee nun in die Praxis um. Sie suchten sich geeignete Kulissen, interviewten Passanten oder
schlüpften selber in die Rolle eines Reporters oder Schauspieler. Dies machten die Schülergruppen in gegenseitiger Absprache auf professionelle Art und Weise. Sie setzten ihre Arbeitsaufträge gewissenhaft um und übernahmen die Verantwortung für ihr Projekt.
Kleine Ergänzung: Im Vorfeld wurde den Schülern umfangreiche Materialien zur Vorbereitung des Projektes im Erdkundeunterricht zur Verfügung gestellt. Bei der Entwicklung der Referate würden sie betreut und beraten.
3) Teamwork
Bei gemeinsamen Projekten ist immer Teamfähigkeit eine der wichtigsten Komponenten, um die bestmöglichen Ergebnisse zu erzielen. Die Schüler bildeten schon im Vorhinein der Fahrt Gruppen, die an verschiedenen Tagen unterschiedliche Videos drehen sollten. In Spanien schlossen sich jeweils 2-3 Studenten diesen Teams an und setzten die Ideen der Schüler praktisch um. Sowohl die Teamarbeit zwischen den Schülern, als auch zwischen Schülern und Studenten, klappte hervorragend, sodass das Projekt auch ein gutes Mittel war, um Teamfähigkeit und Gruppenarbeit zu trainieren.
4) Situationsbezogenheit und Sammeln von praktischen Erfahrungen
Die Verbindung des Projektes zum wirklichen Leben war unserer Meinung nach während des gesamten Prozesses erkennbar. Es ist vielmehr die Basis, auf der das Projekt geschaffen wurde. Die Schülerinnen und Schüler schaffen etwas Reales, was nicht nur auf mentaler Ebene abläuft. Sie halten die „Früchte“ ihrer eigenen Arbeit als Website „in den Armen“. Außerdem wurden sie und auch wir Studenten im Umgang mit technischen Hilfsmitteln geschult und sammelten dadurch praktische Erfahrungen.
5) Interessenbezogenheit
Die Schülerinnen und Schüler konnten ihre Interessen mit in das Projekt hineinbringen, da sie sich selber Videoideen aussuchen konnten. So entstanden sehr vielfältige Projekte, in denen die verschiedenen Interessen der Schüler eingebracht worden sind.
6) Miteinbeziehung außerschulischer Lernorte
Der außerschulische Lernort spielte in dem Projekt "Altafulla" die wohl größte Rolle. Die Projektfahrt nach Altafulla (Spanien) war Umsetzungsort der, von den Schülerinnen und Schülern, erarbeiteten Ideen. Er diente der Entwicklung von Eigenständigkeit. Sei es die Selbstversorgung in den Appartments oder das individuelle interviewen von fremden Menschen.
7) Ganzheitlichkeit
„Der Weg ist das Ziel.“ Dieser Satz steht wohl auch für das Projekt. Wie oftmals vor und während des Projektes formuliert, ging es bei der Altafulla-Fahrt nicht nur um das bloße Erstellen einer Website. Es ging vielmehr, um den eigenständigen Entwicklungsprozess der Schülerinnen und Schüler. Während der Fahrt war zu erkennen, wie die Schülerinnen und Schüler in ihren Aufgaben aufblühten. Die Entwicklung- und Entstehungsphase sind unserer Meinung nach teilweise wichtiger, als das Endresultat (Website). Die Ganzheitlichkeit das Projektes zielt daher auf den gesamten Prozess „Altafulla“ ab.
8) Produktorientierung
Während des Projektes beschäftigten sich die Schülerinnen und Schüler stets mit dem Gedanken, wie ihre Ideen später auf der Homepage umgesetzt werden, welche Fotos hilfreich dafür sein könnten, was man für Material mitnimmt, welche Videoszenen wichtig sind für spätere Besucher der Internetseite. Die Produktorientierung war dadurch immer gegeben. Die Schülerinnen und Schüler
hatten zu jedem Zeitpunkt die fertige Website als Ziel vor Augen.
9) Interdisziplinarität
Das Projekt wurde fächerübergreifend angelegt. Im Fach Geographie stand die Länderkunde Spaniens im Vordergrund. Vor Ort wurden die Schülerinnen und Schüler direkt mit einer anderen Mentalität und Kultur in Berührung gebracht. Bei ihren Wanderungen lernten sie die Landschaft kennen und in Barcelona auch wichtige stadtgeographische Merkmale. Viele Interviews mit Einheimischen
und Urlaubern erforderte den Einsatz fremdsprachlicher Kenntnisse, sodass vor allem das Fach Englisch in diesem Bereich gefördert wurde. Außerdem erlangten die Schüler einige Spanischkenntnisse. Die Organisation und Umsetzung von Videofilmen wurde erprobt, ebenso das Schreiben von Reportagen und Tagebucheinträgen.
Interessant wäre hier, auch das Unterrichtsfach Englisch stärker in die Projektarbeit einzubeziehen. Ansonsten wurde im Vorfeld vor allem in Erdkunde und Deutsch gearbeitet, es gibt jedoch noch viele weitere Anknüpfungsmöglichkeiten in anderen Fächern.
Fazit
Beim Projekt "Altafulla" wurden die Schülerinnen und Schüler selbst aktiv und nahmen völlig neue Aufgaben wahr. Zahlreiche Kompetenzen können bei dieser ganzheitlichen, integrativen Lernform vertieft und trainiert werden.
Die Schülerinnen und Schüler benötigten eine hohe Kooperationskompetenz in Verbindung mit der Arbeit in Teams. Die jeweiligen
Ergebnisse der Gruppen dokumentieren eine funktionierende Gruppenarbeit.
Ihre Kommunikationskompetenz benötigten die Schülerinnen und Schüler sowohl im Umgang untereinander, als auch bei der Herstellung von Kontakten zu Einheimische, Unternehmen und Institutionen und schließlich bei der Durchführung von Interviews.
Bei der Reflexion fassten die Schülerinnen und Schüler ihre Arbeit zusammen und präsentierten dies vor der Klasse.
Bei der Planung wurden hohe Anforderungen an die Organisationskompetenz der Lernenden gestellt. Dies setzten sie optimal um, sodass ein reibungsloser Ablauf der Projekte garantiert war. Bei der Produktion von Videos, Fotos, Texten, Reportagen und abschließend der Website wurde die Produktionskompetenz der Schülerinnen und Schüler gefordert und gefördert. Auf die Self-Access-Kompetenz der Schüler wurde in diesem Projekt besonders viel Wert gelegt, sodass jedes Lernen und Produzieren in Eigenverantwortung der Schülerinnen und Schüler stattfand und abends die Ergebnisse verglichen bzw. besprochen wurden, sodass
die Schülergruppen auch Rückmeldung über ihre Arbeit erhalten konnten.
B Vorschläge, welche Aspekte noch eingearbeitet werden könnten.
Unserer Meinung nach sind alle Aspekte, die Projektunterricht ausmachen, eingearbeitet worden. Wir haben daher keinen Vorschlag, welcher Aspekt noch eingearbeitet werden könnte.
Möglicherweise können einzelne Aspekte noch vertieft werden oder Schwerpunkte gelegt werden. Setzt man den Schwerpunkt auf Teamfähigkeit, könnten die Schülerinnen und Schüler dazu angehalten werden, auch ein Videoprojekt in einer Zufallsgruppe durchzuführen.
So werden die Schüler dazu angehalten, auch mit Mitschülern und Mitschülerinnen zu kooperieren, mit denen sie nicht befreundet sind. Des Weiteren wird so trainiert, sich mit anderen zu einer Arbeitsgemeinschaft zusammenzufinden. Im Berufsleben könnte dies wichtig sein. Denn auch im Arbeitsalltag kann es zu Teamarbeit mit fremden Personen, oder Personen kommen, mit denen man sonst nicht
zusammenarbeitet.
Auch die frei wählbaren Themengebiete könnte man per Zufall verteilen, damit die Schüler und Schülerinnen lernen, sich auch mit Themen zu arrangieren die vielleicht anfangs gar nicht interessant erscheinen.
Man könnte dann den Schwerpunkt der jeweiligen Themen selber festlegen. So hat jeder Schüler ein zufälliges Themengebiet zu erforschen, kann aber innerhalb dessen frei entscheiden wo er oder sie die Schwerpunkte setzt.
Wir fanden dass alle entscheidenden Aspekte eines guten Projektunterrichts optimal miteinbezogen waren. So sind die gerade genannten Vorschläge als Variante zu verstehen nicht als Verbesserung. Der Projektunterricht war sehr gut gestaltet, so
dass wir keine konkreten Verbesserungsvorschläge anzubringen haben.
Ich finde die Vorschläge sehr gut und überlegenswert. Gruppen- und Themenwahl habe ich bei diesem Projekt freigestellt, um den Schülern die Möglichkeit zu geben, die zuvor gelernten Dinge (Aufbau von Videos, Reportagen, etc.) Ihren Fähigkeiten entsprechend anzuwenden (vergleiche auch die Ausarbbeitung zum Konstruktivismus). Aufgrund der langen Fahrt und intensiven Projekte wollte ich gewährleisten, dass in den Gruppen ein gutes Arbeitsklima herrscht. Allerdings wurde im Vorfeld in ständig wechselnden Gruppenkonstellationen gearbeitet - bei wechselnden Sitzordnungen.



















