Kooperatives Lernen

Geschrieben von Johannes Breuer & Tobias Domeier,
Kommentierungen und Ergänzungen zum Altafulla-Projekt: Lars Prignitz

A. Das Konzept des Kooperativen Lernens

“Nur weil wir Schülerinnen und Schüler in Gruppen einteilen,
heißt das noch nicht, dass sie als Team zusammen arbeiten.“

Norm Green

Kooperatives Lernen bezeichnet eine Methode, gleichzeitig aber auch eine Sozialform, um
sich mit einem Lerngegenstand zu beschäftigen. Dabei müssen die Lernpartner koordiniert
und ko-konstruktiv zusammenarbeiten, um eine gemeinsame Lösung für ihr Vorhaben zu
erzielen. Besonders im Konstruktivismus werden daher kooperative Lernmethoden als
bedeutungsvoll erachtet. Die konstruktivistische Didaktik als Beziehungsdidaktik legt auf
angemessene soziale Formen der Kooperation, der Zusammenarbeit und der Kommunikation
besonderen Wert. Dabei sollte Kooperation als ein ganzheitlicher Anspruch verstanden
werden.

Norm Green verweist darauf, dass Kooperatives Lernen nicht dem Konzept der Gruppenarbeit
entspricht. Daher benennt er fünf grundlegende Elemente (5 Basic Elements), um die
Methoden voneinander abzugrenzen:


1. Positive Abhängigkeit

Positive Abhängigkeit ist erfolgreich etabliert, wenn die Gruppenmitglieder feststellen, dass
sie nur erfolgreich sein können, wenn alle erfolgreich sind. Gruppenziele und –aufgaben
sollten daher so konstruiert und an die Schüler herangetragen werden, dass sie erkennen,
das sie entweder gemeinsam mit dem Boot rudern oder gemeinsam mit ihm untergehen.
Wenn die Positive Abhängigkeit widerstandsfähig strukturiert wird, liegt ihre Chance darin
zu verdeutlichen, dass erstens die Bemühungen eines jeden Teilnehmers benötigt werden
und unentbehrlich für den Gruppenerfolg sind und zweitens jeder Teilnehmer wegen
seiner Fähigkeiten, seiner Rolle und Aufgabenverantwortung seinen eigenen Beitrag zum
gemeinsamen Erfolg erbringen kann.


2. Unterstützende Interaktion

Die Teilnehmer müssen gute Arbeit verrichten, bei der sie den Erfolg gegenseitig
sicherstellen, indem sie ihre Ressourcen teilen und sich gegenseitig unterstützen, ermutigen
und loben. Dies schließt Diskussionen, wie ein Problem gelöst werden soll ein. Außerdem
tragen eine gegenseitige Wissensvermittlung, gegenseitiges Überprüfen, das Diskutieren
erlernter Begriffe sowie der Transfer von früher und aktuell Erlerntem zum gemeinsamen
Erfolg bei.

3. Individuelle Verantwortlichkeit und Gruppenverantwortlichkeit

Beide Ebenen der Verantwortlichkeit sollen in kooperative Lernformen integriert werden.
Die Gruppe muss als Ganzes dafür verantwortlich sein, dass die gemeinsamen Ziele erreicht
werden und jeder Teilnehmer muss sich dafür verantwortlich fühlen, seinen Beitrag an der
Arbeit zu erbringen. Individuelle Verantwortlichkeit ergibt sich also, wenn die Leistung eines
jeden Teilnehmers in der Gruppe gemessen wird, um zu erkennen, wer mehr Unterstützung,
Hilfe und Ermutigung während des Lernprozesses benötigt. Ziel ist es dabei den Einzelnen in
seinen Rechten zu stärken. Die Teilnehmer des kooperativen Lernens lernen gemeinsam, um
nach und nach mehr individuelle Kompetenzen erhalten.


4. In Kleingruppen angemessen miteinander kommunizieren


Kooperatives Lernen kann als komplexere Lernform verstanden werden als es
konkurrierendes und individuelles Lernen sind. Dies liegt vor allen Dingen darin begründet,
dass die Teilnehmer sich gleichzeitig mit aufgabenbezogener Arbeit und personenbezogener
Arbeit (sind wir als Gruppe effektiv) beschäftigen müssen. Soziale Fertigkeiten müssen
den Teilnehmern dabei aber ebenso zweckgerichtet und explizit vermittelt werden wie
fachliche Fähigkeiten. Sie entwickeln sich keinesfalls automatisch. Die Fähigkeit zu lenken,
Vertrauen aufzubauen, Entscheidungen zu treffen, Konflikte zu lösen und untereinander
zu kommunizieren versetzt die Teilnehmer in die Lage, sowohl Teamarbeit als auch
Aufgabenarbeit erfolgreich zu bewältigen. Kooperation und Konflikt sollten dabei als
untrennbar miteinander verwobene Komponenten des kooperativen Lernens erkannt werden
und dazu führen, dass die Fähigkeit konstruktiv zu Lösungen zu gelangen besonders wichtig
für den überdauernden Erfolg von Gruppenarbeit ist.


5. Bewerten in Gruppen

Gruppenbewertung findet statt, um die Gruppenmitglieder überprüfen zu lassen, ob ihre
gesetzten Ziele erreicht wurden und inwiefern effektive Arbeitsbeziehungen hergestellt
wurden. Ziel ist es dabei zu erkennen, welche Handlungen hilfreich und welche weniger
hilfreich waren sowie welche Verhaltensweisen beibehalten und welche verändert werden
sollten. Eine kontinuierliche Evaluation führt letztendlich dazu, dass der Arbeitsprozess der
Gruppe optimiert und seine Effektivität verstärkt werden kann.


B. Was hat das mit dem Altafulla-Projekt zu tun?

Während unserer Exkursion hatten die Schüler und Stunden die Aufgabe, Filmbeiträge
zu erstellen, die den Ort Altafulla, seine Geschichte, Freizeitmöglichkeiten oder andere
interessante Dinge präsentieren. Bereits im Vorfeld wurde die Verteilung der einzelnen
Projekte und Aufgaben durch ein Forum auf einer Website ermöglicht. Die Schüler und
Studenten waren in der Lage, sich Informationen über ihr Projekt zu besorgen und diese
mit Herrn Prignitz, den Studenten, anderen Schülern und unserer Ansprechpartnerin vor
Ort zu diskutieren. Möglichkeiten zur unterstützenden Interaktion wurden hier bereits
geboten .Das Gruppenziel stand also bereits sehr früh fest und es konnte sich jeder einen
Bereich heraussuchen, der ihm gefällt.
Vor Ort wurden den Gruppen filmtechnische Grundlagen in die Hand gegeben, aber sie
waren frei in der Entscheidung, wie sie ihr Projekt realisieren wollten. Wenn ihnen noch
einige Ideen fehlten, konnten sie stets die Lehrer, Studenten oder sich gegenseitig fragen.
Hier fanden viele Faktoren des kooperativen Lernens statt. Die Schüler und Studenten
konnten alle ihre individuellen Vorschläge zur Gestaltung des Projekts einbringen und
diskutierten darüber, um ein möglichst gutes Ergebnis zur erzielen. Die Stimmung und
Kommunikationsstruktur innerhalb der Klasse und in den einzelnen Gruppen war sehr positiv,
sodass jeder Vorschläge machen konnte, die die Gruppe nach vorne brachten. Es wurden
Aufgaben wie die des Interviewers, des Kameramanns und der einzelnen Rollen innerhalb
der Gruppen verteilt, sodass jeder seine individuellen Fähigkeiten einbringen konnte. Dialoge
wurden gemeinsam geschrieben, der Ablauf geplant, Fragen erarbeitet und potentielle Szenen
diskutiert. Es folgten Diskussionen über die einzelnen Inhalte an denen sich jeder beteiligte.
Bei der Durchführung der Projekte berieten sich die Schüler gegenseitig, wie sie das
bestmögliche Ergebnis erzielen konnten. Es wurden auch teilweise die Rollen des
Interviewers und Kameramanns getauscht, damit die Vielfalt der Szenen größer wird. Die gute
Kommunikation zeigte sich abermals, denn die Gruppe motivierte sich selbst sehr stark, lobte,
half sich gegenseitig und förderte somit die individuellen Kompetenzen, das Gruppenklima
und letztendlich auch die Ergebnisse.
Das Bewerten innerhalb der Gruppe fand nach vielen Szenen statt. Es wurde reflektiert,
wie die Szene gelaufen ist und konstruktive Kritik, Lob und Hilfen wurden geäußert. Das
Gruppenziel wurde jedoch nie aus den Augen verloren. Auch während der Zusammenfassung
der Ergebnisse zum Tagesabschluss wurde in der Gruppe bewertet. Die Schüler fassten
zusammen, was sie am Tag geleistet haben und hielten dies in schriftlicher Form fest,
während sie darüber diskutierten, was noch getan werden sollte und wie es gelaufen ist. Vor
der gesamten Klasse wurden dann die Ergebnisse vorgetragen und die einzelnen Gruppen
erhielten dafür eine Rückmeldung.
Abschließend ist zu sagen, dass die Kommunikation innerhalb der gesamten Klasse und den
einzelnen Gruppen sehr gut verlief. Es wurde gemeinsam auf das Ziel des Videobeitrags
hingearbeitet und ein gutes Ergebnis stand neben dem Spaß an der Sache im Mittelpunkt.

Sehr gute Zusammenfassung, Danke! Hinzuzufügen ist vielleicht noch, dass auch die Gruppen untereinander so strukturiert waren, dass sie teilweise kooperieren mussten, z.B. die Videogruppen mit der Homepagegruppe oder die Expertengruppen aus dem Erdkundeunterricht mit einzelnen Videogruppen.

C. Literatur
Portal zum Kooperativen Lernen nach Norm Green bei Learn-Line.

Im Internet abrufbar unter: http://www.learn-line.nrw.de/angebote/greenline/ (letztes Abrufdatum: 02.07.2010)

 
 

Interview zum Projekt

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Interview mit Lars Prignitz vom Medienpädagogen Johannes Klas zum Altafulla-Projekt 2010...

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