Konstruktivismus
Geschrieben von Till te Heesen und Simon Michalski,
Kommentierung und Ergänzungenen zum Altafulla-Projekt von Lars Prignitz
Konstruktivismus findet in verschiedenen Teilgebieten Beachtung. Von uns werden im folgenden die Auffassungen von Konstruktivismus in der Didaktik und in der Lernpsychologie betrachtet.
Konstruktivismus in der Didaktik
In dieser Disziplin der Didaktik wird Lernen so verstanden, dass es sich um einen Prozess handelt, welcher der Selbstorganisation von Wissen unterliegt. Da dies von jedem einzelnen Individuum unabhängig konstruiert wird, ist das Lernen sehr individuell und unvorhersehbar. Der Schüler ist also für sein eigenes Lernen verantwortlich, was eine hohe Eigenverantwortung voraussetzt. Zu unterscheiden gilt es in diesem Ansatz vor allem den radikalen und den soziokulturellen Konstruktivismus.
Um einen Unterricht zu gestalten, welcher als Ziel ein selbstorientiertes Lernen anstrebt, sollte die Lehrperson eine weitestgehend reichhaltige, multimodale, interessante und kommunikationsorientierte Umgebung schaffen. Da neues Wissen an bereits vorhandenes Wissen angebunden ist, müssen Lernprozesse in authentische Lernumgebungen eingebettet werden. Außerdem sollte der Lehrer nicht bloß als Wissensvermittler, sondern auch ein Lernprozessberater sein. Der Lehrer soll sich bei den konstruktiven Methoden eher im Hintergrund halten, Lernangebote schaffen, Wissensquellen (wie zum Beispiel das Internet) bereitstellen und den Lernprozess beobachten. So wird der Schüler aufgrund von ihn ansprechenden und neuen Problemen dazu angeregt, sich selbstorganisiert die nötigen Wissensinhalte eigenständig zu erarbeiten. Wichtig ist, dass der Lehrkörper eine Brücke zwischen der Wirklichkeitskonstruktion das Schülers und der der Gesellschafft baut, sodass Diskrepanzen und Dissonanzen entstehen, welche dem Schüler die Möglichkeit geben, sich die „wesentlichen“ Inhalte zu erarbeiten.
Ein wichtiger Aspekt unseres Projektes. Inwiefern kann unsere Projektarbeit diesen konstruktivistischen Ansätzen gerecht werden?
Nehmen wir also das Beispiel eines Schülers, der bereits erste Erfahrungen im Bereich neue Medien gemacht hat. Dieser kann das zu vermittelnde Wissen mit anderen Methoden vertiefen als Schüler, die überhaupt keine Erfahrungen in dem Bereich haben. Hier bietet die handlungsorientierte Projektarbeit die Möglichkeit, Sicherungsphasen des Wissens völlig unterschiedlich zu gestalten: Die eine Gruppe wendet die erlernten Strukturen eines Reiseberichtes an, indem sie die Texte handschriftlich vorbereitet, eine weitere Gruppe vertieft das Wissen, indem sie ein Video entsprechend des Gelernten erstellt, ein anderer Schüler pflegt die Inhalte ins Internet ein. Sie alle stehen in positiver Abhängigkeit zueinander und können nur als Gruppe funktionieren und das Projekt zu Ende bringen - in einer authentischen Lernumgebung. Hier wird dem individuellen Charakter des Lernprozesses Rechnung getragen.
Wichtig ist auch eine offene Projektplanung, da der Lernprozess oft schwer vorhersehbar ist. Sicher sollte man ein Ziel verfolgen, aber immer auch wissen, dass für uns vor allem der Weg und der Lernprozess das Ziel ist, dass man unter Umständen auf völlig anderen Wegen erreicht, als man ursprünglich gedacht hat.
Im Weiteren werden einige Thesen für konstruktivistische Didaktik aufgestellt. Diese besagen zum einen, dass es sich bei dieser Unterrichtsform nicht mehr um das Auswendiglernen und Eintrichtern von Weisheiten und Wahrheiten handelt, sondern die Schüler zu einer möglichst eigenen Weltfindung angeregt werden sollen. Des Weiteren wird darauf hingewiesen, dass es sich um eine offene Form des Unterrichts handelt. Und als letztes wird Lernen nicht in der Form des „Bildhauers“ gesehen, welcher seine Schüler nach seinem Ideal formt, sondern wird hier vielmehr die Annahme getroffen, dass Lernen aus dem Individuum selber kommen muss. Von außen kann lediglich eine Anregung vorgenommen werden.Im Vorausgegangen haben wir uns ausschließlich auf die Didaktik des Konstruktivismus bezogen, wollen jedoch im Folgenden auf den lernpsychologischen Ansatz eingehen, wobei sich recht schnell eine große Schnittmenge von beiden Bereichen erschließen lassen wird.
In der Lernpsychologie wird Lernen und Erleben als eine Form von konstruktivistischen Prozessen verstanden. Durch sinnesphysiologische, neuronale, kognitive und soziale Prozesse werden bei beiden Faktoren Lernen und Erleben beeinflusst. Das, was der Lernende lernt, hängt sehr stark von ihm selber ab und wird durch seine Erfahrungen geprägt. Zum Beispiel ist die soziale Interaktion bei Lernenden von ausschlagender Bedeutung. Nur wer im sozialen Kontext lernt, kann sein Wissen erweitern.
Man versuche sich nur selbst zu erinnern, welche Lernprozesse noch am meisten im Gedächtnis haften - meist sind es Dinge, die man auf Exkursionen, Ausflügen, in Gesprächen oder Handlungen ausgeführt oder erfahren hat.
Dieser Kurze begriffliche Erläuterung lässt bereits erkennen, dass sich diese beiden Gebiete stark überschneiden und eine gleiche Auffassung von Lernen besitzen.
Der Konstruktivismus hat durch sehr geläufige und bekannte Personen, wie Maria Montessorie, Petersen oder Freinet, einen ersten Eingang in die Unterrichtswelt erfahren. Dennoch wird diesen Ansätzen zu Lasten gelegt, dass sie keinen typischen und richtigen konstruktivistischen Ansatz verfolgen. Dennoch lässt sich feststellen, dass gerade in Deutschen Schulen der Konstruktivismus in den letzten Jahren einen immer größer werdenden Einfluss nimmt und Eingang in alle Unterrichtsfächer und Schultypen erfährt, oder zu mindestens in die Betrachtung der Methodikdiskussion eingegangen ist. Ein Paradebeispiel für einen solchen Einzug stellt beispielsweise das Modell des „Lernen durch Lernen“ dar. In dieser Lernmethode findet eine Umstellung der Lerngruppe in ein neuronales Netz statt. Diese erhält die Aufgabe Wissen kollektiv zu konstruieren.
Vergleicht dazu auch die Ausführungen dazu auf dieser Webseite...
Berührungspunkte, bzw. konstruktivistische Ansetzte und Vorgehensweisen in dem Projekt „Webseite für Altafulla“.
Zum Einen ist dieser Ansatz sehr stark darin zu erkennen, dass die Projektform sehr offen gestaltet war. Die Schülerinnen und Schüler konnten sich die Aufgabenbereiche selbstständig aussuchen. Auch hier fand nur eine sehr kurzgehaltene Instruktion statt. Die Schülergruppen mussten sich die Inhalte, Methoden und Aufgaben für das jeweilige Projekt selber erarbeiten und konstruieren. Zudem bestand für sie weitestgehend Gestaltungsfreiraum. Auch hier konnten sie sich selber die Möglichkeiten der Darstellung überlegen und erarbeiten. Somit werden ihre Erfahrungen mit Sicherheit einen bedeutenden Eindruck in ihrem Gedächtnis hinterlassen haben.
Natürlich gab es im Verlaufe der Projektvorbereitung zunächst auch Grundlagen in den jeweiligen Fächern, die in klassischen Unterrichtsformen im Klassenverband unterrichtet worden sind, z.B. in Deutsch: Verschiedene Formen von Sachtexten und Berichten. Abber auch in Unterrichtsverfahren im Klassenverband sollte man sich als Lehrer des Konstruktivistischen Ansatzes bewusst sein - jeder Schüler hat einen anderen Erfahrungshorizont und "verknüpft" Inhalte unterschiedlich. Deshalb sollte der Unterricht verschiedene Methoden aufweisen, um den unterschiedlichen individuellen Lernvoraussetzungen gerecht zu werden.
Dieser Ansatz wurde auch im Umgang mit den Studierenden umgesetzt. Sie teilten sich weitestgehend selbstständig den einzelnen Projektgruppen zu und erarbeiteten sich eigenständig die von ihnen zu bewältigenden Aufgaben. Dies führte zwar sicherlich des Öfteren zu Verwirrung und Unsicherheit, aber auch dazu, dass sich die Studenten die wesentlichen Inhalte selber erarbeiten konnten und wichtige Modelle anwendeten, ohne sie zuvor stupide auswendig gelernt zu haben.
Wobei wir die Möglichkeiten der Vorbereitung (z.B. auf der Homepage) noch nicht ganz ausreichend genutzt haben - hier ist noch Verbesserungspotential.



















