Gruppenunterricht

Geschrieben von Bianca Junge,
Kommentierungen und Ergänzungen zum Altafulla-Projekt: Lars Prignitz

1. Beschreibung der Sozialform

Gruppenunterricht wird in der Literatur auch „Kooperatives Lernen“, „Lernen in Gruppen“, oder auch „Gruppenarbeit“ genannt. Meyer definiert Gruppenunterricht wie folgt:„Gruppenunterricht ist eine Sozialform des Unterrichts, bei der durch die zeitlich
begrenzte Teilung des Klassenverbandes in mehrere Abteilungen arbeitsfähige Kleingruppen entstehen, die gemeinsam an der von dem Lehrer, der Lehrerin gestellten oder selbst erarbeiteten Themenstellung arbeiten und deren Arbeitsergebnisse in späteren Unterrichtsphasen für den Klassenverband nutzbar gemacht werden können.
Gruppenarbeit ist die in dieser Sozialform von den Schüler/innen und dem Lehrer, der Lehrerin geleistete zielgerichtete Arbeit, soziale Interaktion und sprachliche Verständigung“.

Gruppenunterricht erfolgt in folgenden Phasen:

1. Arbeitsauftrag
Dieser muss von der Lehrkraft präzise und verständnisvoll vorgegeben werden.

2. Verständnissicherung
Diese sollte nach Erteilung des Arbeitsauftrages erfolgen.

3. Gruppenarbeit
Während der Gruppenarbeitsphase erfolgt ein Rollenwechsel: Die Lehrperson wird zum
Beobachter, Berater und Helfer der Gruppe. Dabei gilt das Prinzip „so viel wie nötig, so wenig
wie möglich helfen“.

4. Beendigungsphase

5. Auswertungsphase
Die Auswertung der Gruppenarbeiten sollte nach Möglichkeit mit wechselnden Medien
geschehen (Beamer, OHP- Folie, Kurzvortrag, Wandzeitung, etc…). Die erlangten Ergebnisse
werden möglichst in einen größeren Zusammenhang eingebunden und so gesichert. Hierbei
sollte beachtet werden, Gruppenergebnisse abzurufen und nicht etwa die Leistungen des
Einzelnen.

Du schreibst, Gruppenunterricht wird in der Literatur auch "Kooperatives Lernen" genannt. Für mich stellt sich hier dann insbesondere die Frage, ob Gruppenunterricht auch wirklich kooperativ ist. Bei Methoden des Kooperativen Lernens werden die Gruppenmitglieder dazu "gezwungen", miteinander zu kooperieren. Ich zitiere mal Norm Green, den leider verstorbenen "Guru" des kooperativen Lernens: “Nur weil wir Schülerinnen und Schüler in Gruppen einteilen, heißt das noch nicht, dasssie als Team zusammen arbeiten.“ (Dazu auch das Essay zu Kooperativem Lernen von Tobias Domeier und Johannes Breuer: Link). Gruppenunterricht ist also nicht gleich "Kooperatives Lernen", aber ich denke schon, dass Gruppenunterricht kooperativ sein sollte. Ziel ist, die Gruppenmitglieder in eine "positive Abhängigkeit" zueinander zu bekommen, d.h. die Gruppe kann nur erfolgreich sein, wenn alle Gruppenmitglieder erfolgreich sind. Gruppen sollten nicht zu groß sein, die Aufgaben so gestellt sein, dass sie nur gemeinsam gelöst werden können. Darüber hinaus sollte man als Lehrer moderieren, ansprechbar sein, helfen. Der Glücksfall unseres Projektes war ja, dass Ihr diese Aufgabe für EINE Gruppe übernehmen konntet. Im "Normalfall" müsst Ihr dies bei allen Gruppen leisten. Das erfordert eine genaue Planung des Unterrichtes und der Aufgaben, die in den Gruppen gestellt werden.

Ziele des Gruppenunterrichts liegen in der Förderung der Selbstständigkeit und Eigenverantwortlichkeit der Schüler. Darüber hinaus soll ihre Kooperationsfähigkeit und ihre kommunikativen Kompetenzen gestärkt. Anhand des Ausbaus dieser Eigenschaften wird versucht, eine allgemeine Leistungssteigerung der Schüler und Schülerinnen zu erreichen. Durch die stärkere Involvierung passiver Schüler sollen diese zu aktiver Mitarbeit angeregt werden und sich ohne Scheu einbringen können. Das gemeinsame Arbeiten unterstützt zudem den Auf- bzw. Ausbau eines Zusammenhörigkeitsgefühls.

 

2. Berührungspunkte in unserem Projekt


Zu Beginn des Projektes erklärte der Klassenlehrer, Herr Prignitz, seine Idee, eine Touristeninformationshomepage über den spanischen Ort Altafulla zu erstellen und stellte den Schüler und Schülerinnen zunächst Prospekte und Bücher zur allgemeinen
Information zur Verfügung. Gemeinsam wurden die genauen Ziele des Projektes erarbeitet und die Schüler und Schülerinnen bildeten eigenständig „Expertengruppen“ zu verschiedenen Themen wie z.B. „Stadtgeographie von Barcelona“, „Tourismus“
oder „Kultur, Geschichte, Römerzeit“. Zu diesen Schwerpunkten erarbeiteten die Schüler und Schülerinnen zunächst Referate und Thesenpapiere. Geplant war, in Altafulla und der Umgebung selbst zudem Videos zu den unterschiedlichen Themen zu drehen,
die anschließend ergänzend zu den Referaten und Thesenpapieren in eine Homepage eingebunden werden sollten. In Altafulla ergaben sich zudem weitere Themen wie z.B. „Essen und Trinken in Altafulla“ oder „Hochseilgarten ‚Jungle Trek’“.

Die Dreharbeiten in Altafulla erfolgten in den gebildeten Kleingruppen, die zudem durch zwei oder drei Studenten der Universität zu Köln betreut wurden. Ich selbst habe mit zwei weiteren Studentinnen eine Schülergruppe (2 Jungen, ein Mädchen) zu den
Themen „Barcelona“ und „Essen und Trinken in Altafulla“ betreut. Die Dreharbeiten fanden im Rahmen eines Tagesausflugs in Barcelona statt. Daher überlegten sich die Schüler und die Schülerin im Vorfeld interessante Orte wie z.B. das Olympia Stadion oder
die Sagrada Familia, die sie in ihrem Film einbauen wollten. Zudem war ihr Wunsch, auf die Problematik der Taschendiebe aufmerksam zu machen. Wir griffen in so fern in die Gruppenarbeit ein, dass wir den Schülern und der Schülerin die Frage stellten, wie sie dieses Thema vorstellen wollten und wie sie dieses, sowie die Sehenswürdigkeiten in den Film einbetten würden (Sollen es nur kurze Bilder sein? Steht eine Geschichte dahinter?).
Daraufhin einigten sich die Schüler und die Schülerin darauf, die Sehenswürdigkeiten in eine Geschichte einzubauen und zum Thema „Taschendiebstahl“ eine solche Szene nachzustellen. Die dazugehörigen Dreharbeiten führten die Schüler und die Schülerin selbstständig in Barcelona durch.
Bei den Arbeiten zum Thema „Essen und Trinken in Altafulla“ überlegten die Schüler und die Schülerin welche gastronomischen Betriebe ihnen bereits bekannt waren und entschieden sich für Interviews bei einem Paella Restaurant, dem beliebten
Hähnchenimbiss und dem Hotelbesitzer José Maria.

Zudem befragten sie eine Mitarbeiterin des Touristeninformationsbüros über allgemeine Informationen zu Altafulla.
Bei beiden Themen war es zunächst schwierig, die Schüler und die Schülerin zu motivieren sich z.B. Gedanken über Drehorte oder Interviewfragen zu machen. Es war jedoch zu beobachten, dass sie fantasievoller wurden, je mehr sie sich mit dem Thema
beschäftigten. Auch der Umgang mit der Kamera und das Stellen der Interviewfragen fiel ihnen zunächst schwer, besserte sich jedoch beachtlich mit jedem weiteren Interview.
Gerade ein etwas zurückhaltender Schüler wuchs beim Übersetzen vom Englischen ins Deutsche und umgekehrt über sich hinaus und überraschte die ganze Gruppe. Nach dem letzten Interview war allen ein gewisser Stolz anzusehen, da sie die Grenze fremde
Personen (in einer Fremdsprache) zu interviewen mit einem guten Ergebnis überschritten hatten.
Die Nachbereitung wird in wenigen Wochen in Form eines „Schnitttages“ an der Schule stattfinden. Hier wird das gesamte Filmmaterial zu einem Kurzfilm gekürzt und überarbeitet um anschließend in die Homepage eingebettet zu werden.

Rückblickend kann ich sagen, dass die angestrebten Kompetenzen eines Gruppenunterrichts (Selbstständigkeit, Eigenverantwortlichkeit, Kooperativität, Kommunikation und Aktivierung passiver Mitschüler) ausgebaut wurden. Die Schüler
und die Schülerinnen gewannen zunehmend an Selbstständigkeit. Während sie beim Thema Barcelona noch unsicher schienen, zeigten sie sich während des Drehens der Interviews bereits sicherer im Umgang mit der Kamera. Auch die Absprachen untereinander (Welche Fragen stellen wir? Wer hält die Kamera? Wer interviewt?) verliefen am Ende reibungslos. Vor allem die Aktivierung zur Mitarbeit war nach dem ersten Interview deutlich zu sehen, indem die Schüler und die Schülerin immer offener mit den Interviewpartnern umgingen und keine Hemmungen mehr hatten vor der Kamera zu sprechen.

Bedingt durch die Rahmenbedingungen unseres Seminars (Schule in Monschau, Studenten in Köln, wenig Vorbereitungszeit) konnten wir methodische Dinge wie diese nur im Anschluss an die Exkursion thematisieren. Dieses induktive Vorgehen, was ich hier gewählt hatte, funktionierte vor allem auch, weil die meisten Gruppen in sich gefestigt waren und kaum ein Schüler völlig unmotiviert an die Sache herangegangen ist. Für mich wäre es auch einmal interessant, die Arbeit an den Projektgruppen zusammen mit den Studenten und mit etwas Zeit im Vorfeld zu planen. Dann könnte man während der Exkursion auf Dinge wie "Kooperatives Lernen" eingehen und Ihr als Begleiter hättet in dieser Phase etwas mehr Orientierung. Dies würde aber nur funktionieren, wenn man 4-5 Vorbereitungssitzungen hätte oder die Arbeit im Vorfeld über die Projekthomepage (dort gab es die Möglichkeit, sich darüber auszutauschen) durch feste Arbeitsaufträge gesichert werden würde.

Nun noch die Frage: Was hat dieses Thema mit Handlungsorientierung zu tun?

Nun, im ersten Abschnitt sprachen wir ja noch über die "positive Abhängingkeit". Ich denke, dass die Handlungsorientierung in diesem Projekt - die ich darin sehe, dass alle Schüler in dem Handlungsprozess "Videos für Altafulla gestalten" einbezogen waren - dazu beigetragen hat, eine hohe positive Abhängigkeit zu erzeugen. Alle wussten, dass sie durch Ihr konkretes Handeln einen Beitrag zum Gelingen dieses Projektes leisten. Die von dir angesprochenen "Epertengruppen" dienten dazu, unterschiedliche Schwerpunkte von Kompetenzen zu schaffen, die sich gegenseitig ergänzen. So half die "Homepagegruppe" beim Verarbeiten der Ergebnisse, die "Videogruppe" konnte Tipps beim Filmen geben und die "Barcelonagruppe" konnte Infos zur Stadt auf dem Ausflug dorthin geben.

Abschließend noch ein Link-Tipp zum Kooperativen Lernen:

http://methodenpool.uni-koeln.de/koopunterricht/ger_the_difference.pdf

 

Literatur:

1 Meyer, H. (1989). UnterrichtsMethoden, II: Praxisband, Frankfurt: Cornelsen Scriptor, 2. Auflage.

 
 

Interview zum Projekt

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Interview mit Lars Prignitz vom Medienpädagogen Johannes Klas zum Altafulla-Projekt 2010...

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